Frank Raki

"Imagination is the highest kite one can fly." Lauren Bacall

Anfänge

Meine Kindheit verbrachte ich in Westfalen. Teutoburger Wald, Kleinstädte, Lippische Pickert — Sie wissen schon. Die Ehe meiner Eltern und einige andere Dinge liefen ziemlich schief, aber nichts davon fügte mir großen Schaden zu. Ich war auf innere Welten konzentriert.

Ich wollte Trickfilmzeichner werden, zeichnete Daumenkinos, Comics und kopierte die alten Meister: Disney, Uderzo, Peyo. Und ich wollte Schriftsteller werden — etwas schreiben, so großartig wie Howard Pyles Robin Hood. Und Stuntman. Unzählige Male stürzte ich mich in Container voller Pappe.

Dummerweise förderte die Schule das Wachstum meiner linke Gehirnhälfte ganz exorbitant. Ich ließ alles Kreative hinter mir, wählte sogar Deutsch ab, absolvierte das Abitur mit den Leistungskursen Mathe und Physik und beschloss, Informatik zu studieren, um an vorderster Front in der Künstliche Intelligenz-Forschung zu arbeiten.

Ich weiß nicht, was genau im Folgenden passierte. Ob sich meine rechte Gehirnhälfte wieder erholte … Oder ob es ein heilsamer Schock war, als während des Zivildienstes auf mich geschossen wurde … Jedenfalls legte ich erneut eine Hundertachtzig-Grad-Wende hin. Ich zog nach München, studierte Neue deutsche Literatur und Theaterwissenschaft und bewarb mich um jede Tätigkeit, die irgendwie nach Film, Theater oder Verlagswesen roch.

Es war ein labyrinthischer Weg, mit Wintern ohne Heizung und Zeiten der Armut, mit den skurrilsten Nebenjobs (einer davon erforderte passenderweise ein ausgehungertes Aussehen und einen kahlgeschorenen Schädel), doch letzten Endes, auf eine ebenso einfache wie vertrackte Weise, kam ich meinem Ziel mit jedem Schritt ein Stück näher.

Heute — nach diversen Veröffentlichungen und zwei Spielfilmen nach meinen Drehbüchern — habe ich noch immer das Gefühl, auf der Reise zu sein. Wahrscheinlich verlässt mich dieses Gefühl nie. Ich hoffe es. Denn wie bedauerlich, wenn mein Interesse am Universum und allem drum herum morgen früh endete …