Frank Raki

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Professionelle Irrtümer (3): Interaktive Geschichten machen den Spieler zum Autor!

Sobald ein PC- oder Konsolenspiel auf den Markt kommt, dass sich durch besondere Einflussmöglichkeiten des Spielers auf die Handlung auszeichnet, stimmen die Entwickler wieder denselben Singsang an, und alle plappern es nach: „Hier kann der Spieler seine eigene Geschichte erschaffen. Der Spieler wird zum Autor der Geschichte!“

Nein, das wird er nicht. Liebe Gamesbranche, macht Euch nicht selbst zum Affen.

Der Spieler agiert gar nicht auf der Ebene des Designs, des Entwickelns und Konstruierens — er kann gar kein Autor sein. Was er tut, ist: Er erspielt eine ganz spezielle Variante der Geschichte. Aber auch diese erschafft er nicht im Sinne eines urheberrechtlich schützbaren Werks, weil Genre, Spielwelt, Charaktere, Events und alle Entscheidungen und Algorithmen ja vor langem durch die Entwickler ausgedacht, designt und realisiert worden sind. Nur eben so, dass eine immense Freiheit beim Spielen herrscht. Multiple multiple choice.

Trotz aller Freiheit, die ein Spiel zu bieten scheint, ist es also nicht der Spieler, der die Geschichte erfindet. De facto errechnet die von den wahren Autoren des Spiels geschriebene Game-Engine das nächste sinnvolle dramatische Ereignis oder die nächste dramatische Konstellation. Da ist nichts mit einer „Autorenschaft“ des Spielers … Oder werde ich etwa zum Koch, wenn ich mir aus einem reichhaltigen Buffet ein persönliches Menü zusammenstelle?


Download-Tipp: The Career Novelist von Donald Maass

Bücher mit Ratschlägen für Jungautoren gibt es wie Sand am Meer. Dieses sticht gleich aus zwei Gründen heraus: Es wurde von einem Literaturagenten verfasst, der kein Blatt vor den Mund nimmt, und es ist umsonst — Download hier: The Career Novelist.

Werdenden Romanautoren möchte ich das Buch wärmstens ans Herz legen. Der New Yorker Literaturagent Donald Maass behandelt darin nicht nur die schlimmsten Pitching-Fehler, das Problem, den richtigen Agenten zu finden, sowie diverse Marketing- und Genre-Fragen, er führt auch differenziert in die Denke von Verlagen und Agenten ein, und er erklärt, wie man eine Autorenkarriere vernünftig plant und welche verschiedenen Strategien es dabei gibt.

Wer also kein Traumtänzer bleiben möchte, der sollte sich das 245 Seiten starke Werk einmal zu Gemüte führen. Trotz seines Erscheinungsdatums von 1996 ist das Buch noch immer gespickt mit Wahrheiten über den aktuellen Literaturbetrieb.